Krankengymnastik nach dem Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein erfolgreich angewandtes Pflege- und Therapiekonzept zur Rehabilitation von Patienten mit neurologischen Erkrankungen, welche mit Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen, Spastik und/oder Wahrnehmungsstörungen einhergehen.

Eine konzeptspezifische Befunderhebung bezüglich einer Analyse von erhaltenen Zuständen bzw. Fähigkeiten (Wahrnehmung, Bewegung etc.) und entstandener Abweichungen bzw. Problemen, ermöglicht die Wahl geeigneter Behandlungsansätze.

Diese Art der Therapie, welche eine intensive Mitarbeit des Patienten voraussetzt, strebt einen Lernprozess an, um normale Bewegungsfähigkeiten wiederzuerlangen bzw. unphysiologische Bewegungsabläufe zu verringern/verhindern.

Im Bobath-Konzept wird mit drei Behandlungstechniken gearbeitet, welche in der Therapie zusammenspielen:

  • Hemmung (von Spannung und krankhaften Bewegungsmustern
  • Bahnung (physiologischer Bewegungsmuster)
  • Stimulationstechniken

Die Therapie erfolgt über Schlüsselpunkte, welche spezifische Regionen des Körpers sind und über Haltungstonus und Bewegungsmuster beeinflusst werden können. Die Ansätze der Hemmung und bahnung erfolgen über diese sogenannten Schlüsselpunkte.

Behandlungsansatz und Ziele:

Die Ziele und Behandlungsansätze ergeben sich aus den individuellen Problemen von Patienten mit Schädigungen des zentralen Nervensystems, die teilweise oder vollständige Lähmungen (Paresen bzw. Plegien) eines Körperabschnitts und die damit verbundenen komplexen Bewegungsstörungen verursachen. Des Weiteren liegen unkontrollierte Muskelspannungsveränderungen (Spastik oder schlaffe Lähmungen) und/oder Störungen im Gesicht des Patienten und beim Kauen und Schlucken sowie die propriozeptiven Wahrnehmungsstörungen der Therapie zu Grunde.

  • Anbahnen normaler beidseitiger physiologischer Bewegungsmuster und Vermeidung eines kompensatorischen Fehleinsatzes der weniger betroffenen Seite
  • Verbesserung der Muskelspannungsregulation und Normalisieren bzw. Verbessern der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umwelt
  • Vermeidung bzw. Hemmung von Spastiken, abnormaler Reflexaktivitäten und Wiederherstellung einer angepassten Muskelspannung
  • Beeinflussung des unkontrollierten erhöhten oder verringertem Muskelspannungszustands
  • Selbständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL)
  • Anbahnung normaler Gesichts-, Mund-, Zungen und Schlundmotorik
  • Aktive und intensive Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, dem Patient selbst und der Angehörigen

Anwendungsgebiete:

  • Patienten mit Hirnschäden und Krankheitsbilder mit teilweise oder vollständiger unkontrollierter Lähmungen (schlaff oder spastisch so gen. Paresen oder Plegien) eines Körperabschnitts, Haltungs-, Gleichgewichts-, und Bewegungsstörungen und Wahrnehmungsstörungen bedingt durch Störungen des zentralen Nervensystems
    • nach apoplektischer Insult
    • Schlaganfall und Hirnblutungen
    • Schädel-Hirn-Traumen
    • nach neurochirurgischen Operationen
    • Multiple Sklerose (MS)
    • Entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS)
    • Alle Erkrankungen des ZNS, die mit Spastik bzw. Lähmung einhergehen
  • In allen Bereichen der Pflege: sowohl in der Versorgung auf Intensivstation und Akutpflege als auch in der Pflege in der Rehabilitation, der häuslichen – , Alten und Langzeitpflege im Sinne der Pflege und gezielter Therapie